
Vitamin C + Zink-Präparate |
Eigentlich liegt das Gute wie immer ganz nah. Kaum hat man einen Supermarkt betreten, ist man umgeben von Äpfeln, Nüssen und Salat - Lebensmittel, die all das liefern, was man zum Leben braucht. Doch längst scheint es mit den Vitaminen und Mineralstoffen aus natürlichen Lebensmitteln nicht mehr getan zu sein. Gesundheit erhoffen sich viele Menschen immer häufiger aus Tabletten und Kapseln. Neben isolierten Mineralstoffen oder der Rundumversorgung durch Multivitaminpräparate ist zurzeit die Kombination aus Vitamin C mit dem Spurenelement Zink en vogue.
Wer in der nasskalten Jahreszeit an den Auslagen von Drogerien und Apotheken vorbeischlendert, muss sich und sein Immunsystem in unmittelbarer Gefahr wähnen. Als "Vitalstoff-Kombi für die Abwehrkraft" kommen die Taxofit Zink + Vitamin C Depot, Dragees daher, eine "schnelle Unterstützung der Abwehrkräfte" versprechen die Biovit Vitamin C300 + Zink Histidin, Brausetabletten. Präparate wie die Crownvita Zink + Vitamin C, Tabletten unterstützen die "körpereigenen Abwehrkräfte" - wobei man sich fragt, welche denn sonst, wenn nicht die eigenen. Weil fiese Viren immer und überall zu lauern scheinen: die O'Clair health Zink-Aktiv-Kombi plus Vitamin C, Brausetabletten "zur Unterstützung der Abwehrkräfte, bei Infektionsgefahr". Denn, so schallt es dem Verbraucher auf der Rückseite der Verpackung entgegen: "Eine Unterversorgung an Zink kann ein Grund dafür sein, wenn das Immunsystem Umweltangriffen, Wind und Wetter schutzlos ausgeliefert ist."
Täglich sieben Milligramm (mg) Zink für erwachsene Frauen und 10 mg für erwachsene Männer empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) in ihren aktuellen Referenzwerten für die Nährstoffzufuhr, bei Vitamin C dürfen es für beide Geschlechter 100 mg sein. Ein Blick in den Ernährungsbericht 2000 der DGE lässt aufatmen: "Die durchschnittliche Zufuhr von Zink erfüllt bzw. übertrifft in allen Altersgruppen der Männer und Frauen die ... Zufuhrempfehlungen. Eine ausreichende Versorgung der Bevölkerung mit Zink ist gewährleistet." Für Vitamin C sieht die Lage nicht schlechter aus, auch wenn sich die erwünschte "relativ hohe Zufuhr ... nur durch den regelmäßigen Verzehr von frischem Obst, insbesondere von Zitrusfrüchten und Paprika sowie Kartoffeln, aber auch von Gemüse- und Obstsäften erreichen" lässt. Wozu dann aber Geld für entsprechende Vitamin- und Mineralstoffpillen ausgeben? Was ist von den vollmundigen Versprechungen auf den Verpackungen zu halten? ÖKO-TEST hat 29 Produkte eingekauft, die Zink und Vitamin C enthalten, ins Labor geschickt und begutachten lassen.
Das Testergebnis
Kein einziges Produkt schneidet mit "sehr gut" oder "gut" ab. Die Mittel sind bestenfalls "befriedigend", vier sogar nur "ausreichend". Mit Aussagen wie "Zur Unterstützung der Abwehrkräfte" suggerieren die Produkte einen Nutzen, der nicht belegt ist: Weder schützt die Einnahme von Zink und Vitamin C vor Erkältungen, noch kürzt sie deren Dauer wesentlich ab. Trotzdem finden sich entsprechende Hinweise bei allen Produkten entweder direkt auf der Verpackung, auf dem Beipackzettel oder - wie bei den per Versand erhältlichen Sanct Bernhard Vitamin C + Zink, Langzeit-Kapseln - auf der Homepage. Die Anbieter von Nahrungsergänzungsmitteln stehen vor dem Dilemma, dem Verbraucher einerseits ihr Produkt mit gefälligen Versprechungen schmackhaft zu machen, damit andererseits aber nicht das Verbot gesundheitsbezogener Werbung für Lebensmittel gemäß § 18 Lebensmittel- und Bedarfsgegenständegesetz (LMBG) zu verletzen. So ist es unter anderem verboten, für Lebensmittel mit Aussagen zu werben, die sich auf die Beseitigung, Linderung oder Verhütung von Krankheiten beziehen.
Überdosiert ist Zink in vier Produkten: Sie liefern zwischen 9,5 und 20 mg Zink täglich, während die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) eine Zufuhr von 7 mg Zink für erwachsene Frauen vorsieht. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hält sogar nur eine Tagesration von 5 mg Zink aus Nahrungsergänzungsmitteln für tolerabel. Daran halten sich alle anderen 25 getesteten Produkte. Eine erhöhte Zinkzufuhr kann zu Kupfermangel und Störungen in der Blutbildung führen. Die eingesetzten Zinksalze werden unterschiedlich gut vom Körper aufgenommen. Während der Organismus Zink aus Gluconat und Sulfat vergleichsweise gut aufnimmt, gelten Zinkcitrat und -oxid als eher schlechte Zinkquellen, für Zinklactat fehlen brauchbare Daten. An Vitamin C enthalten die Mittel zwischen 60 und 300 mg in einer Tagesdosis. Einziger Ausreißer nach oben sind die Cerola C-Plus-Zink Taler, Lutschtabletten mit 600 mg, sechsmal mehr als die Zufuhrempfehlung der DGE vorsieht. Der Anbieter hat uns mitgeteilt, sein Produkt inzwischen nicht mehr als "ergänzend bilanzierte Diät", sondern als Nahrungsergänzungsmittel mit verringerten Tagesrationen von 150 mg Vitamin C und 5 mg Zink zu vertreiben.
Eine bedenkliche Wirkung von hochdosiertem Vitamin C konnte vor kurzem David R. Jacobs von der University of Minnesota zeigen, nachdem er Risikofaktoren für die Sterblichkeit von älteren Frauen mit Diabetes ausgewertet hatte: Gerade die Diabetikerinnen, die täglich mehr als 300 Milligramm Vitamin C in Form von Tabletten eingenommen hatten, waren einem erhöhten Risiko von lebensbedrohlichen Erkrankungen der Herzkranzgefäße ausgesetzt.
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